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Europas größte Übungsstadt – Teilübergabe Schnöggersburg

Truppenübungsplatz Altmark, 26.10.2017, PIZ IUD.

Am 26. Oktober fanden mit zahlreichen Gästen und Medienvertretern in feierlichem Rahmen ein Richtfest und die Teilübergabe des Urbanen Ballungsraumes „Schnöggersburg“ auf dem Truppenübungsplatz Altmark an das deutsche Heer statt. Die Übungsstadt beinhaltet typische Elemente eines urbanen Ballungsraumes, um die Soldaten auch für Einsätze in bebauten Gebieten optimal vorzubereiten. In dem übergebenen Teilbereich kann nunmehr ab 2018 bereits geübt werden.

Gruppenbild mit acht Personen, zum Teil in zivil, zum Teil in Uniform, Person zweite von rechts hält einen überdimensionalen Schlüssel in den Händen.
Übergabe vollzogen: die Protagonisten der Übungsstadt vor dem „Rathaus“ mit dem Schlüssel beim militärischen Nutzer (Quelle: Bundeswehr/Marcus Rott)Größere Abbildung anzeigen

Unter den insgesamt über 280 Gästen aus Militär sowie regionaler wie überregionaler Politik und Wirtschaft befanden sich unter anderem Ministerialdirektorin Alice Greyer-Wieninger, Abteilungsleiterin Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen (IUD) im Bundesministerium der Verteidigung, Generalmajor Reinhard Wolski, Amtschef des Amtes für Heeresentwicklung und viele Bürgermeister und Ortsbürgermeister der umliegenden Gemeinden sowie hochrangige Vertreter der Landesbauverwaltung und des Ministeriums für Finanzen Sachsen-Anhalt, Soldaten des Gefechtsübungszentrums und Handwerker, die die Übungsstadt in den vergangenen Jahren aufgebaut haben. Bei wechselhaftem, allerdings trockenem Wetter verfolgten sie mit knapp 40 Vertretern aller Medienbereiche – Fernsehen, Hörfunk, Print, Online – die Veranstaltung.

Blick auf Stadtlandschaft mit fertigen Häusern und Gebäuden im Bau.
Rechts der künstliche Flusslauf Eiser mit der dahinter gelegenen, übergebenen „Altstadt“ – links davon entsteht die „Neustadt“ (Quelle: Bundeswehr/Marcus Rott)Größere Abbildung anzeigen

Sie alle konnten sich auch ein Bild des fertig gestellten Teilbereichs machen. Hier, wo es bis 1936 eine Ortschaft mit Namen Schnöggersburg gegeben hatte, finden sich unter anderem eine Altstadt mit Marktplatz, ein Regierungsviertel mit Verwaltungsgebäuden, ein Flugplatz und sogar ein 350 Meter langer U-Bahn Tunnel. Insgesamt werden in der Übungsstadt bis zum Jahr 2020 über 500 Gebäude, über 300 Hütten,16.500 Meter Straßen, darunter sogar ein Stück zweispurige Autobahn zwischen zwei Kreisverkehren, ein Flughafen, 800 Meter künstlicher Flusslauf „Eiser“ mit fünf verschiebbaren und einer festen Brücke, 1.500 Meter Gleis und 540 Meter Übungskanalisation errichtet. Der Bereich westlich der Eiser konnte nunmehr dem Heer zur Nutzung übergeben werden.

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Eine Übungsstadt für 140 Millionen Euro

Skizzierte Karte mit typischen Elementen und Bezeichnungen urbaner Bebauung wie Altstadt, Neustadt usw.
Schematische Darstellung der Übungsstadt Schnöggersburg (Quelle: Bundeswehr/BAIUDBw KompZ BauMgmt SRB)Größere Abbildung anzeigen

Das Bauprojektmanagement seitens der Bundeswehr liegt beim Kompetenzzentrum Baumanagement Strausberg des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw), das zum Organisationsbereich IUD der Bundeswehr gehört. Die vom Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt (BLSA) geleitete Baumaßnahme ist eine der größten Infrastrukturmaßnahmen innerhalb des Landes Sachsen-Anhalt. Für die gesamte Baumaßnahme stehen 140 Millionen Euro zur Verfügung.

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Richtfest vor Übergabe

Mann in Zimmermannskleidung prostet mit kleinem Glas fünf Personen mit Schutzwesten und Bauhelmen vor einem gezimmerten kleinen Dachstuhl zu.
Der Handwerker prostet den Protagonisten zu - Richtspruch für das Richtfest zum weiteren Ausbau von Schnöggersburg (Quelle: Bundeswehr/Marcus Rott)Größere Abbildung anzeigen

Ungewöhnliche für eine Übergabe: sie begann mit einem Richtfest. Die Protagonisten führten eine erfolgreiche Nagelprobe am Rohbau eines Hochhauses durch, bevor der Richtspruch ausgebracht wurde. Dies symbolisierte nicht nur die bereits fertig gestellten über 200 Gebäude, die dem militärischen Nutzer übergeben wurden, sondern auch den kontinuierlich fortschreitenden Ausbau, um die komplette Übungsstadt planmäßig bis zum Jahr 2020 fertigzustellen. In der „Neustadt“ entstehen nun unter anderem eine Hochhaussiedlung, ein Stadion und eine Kasernenanlage. Sie umfasst noch einmal knapp 300 Häuser unterschiedlicher Größe sowie weitere Elemente eines urbanen Umfeldes.

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Einmaliges Bauprojekt

Männliche Person hinter Rednerpult.
Anlage einzigartig in Europa: Parlamentarischer Staatssekretär Grübel (Quelle: Bundeswehr/Marcus Rott)Größere Abbildung anzeigen

Was hier entsteht, ist sicherlich einmalig“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung Markus Grübel in seinem Grußwort zu den gewaltigen Dimensionen des Projektes: „Diese ersten Teile des Urbanen Ballungsraumes, die heute dem Gefechtsübungszentrum des Heeres termingerecht übergeben werden, finden in der Art der Bauausführung und seiner Größe sicherlich zumindest in Europa nichts Vergleichbares.

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Infrastrukturelle Herausforderungen für die Bundeswehr

Grübel wies auch darauf hin, dass den von der Bundesministerin der Verteidigung eingeleiteten Trendwenden Finanzen, Personal und Material logischerweise eine Trendwende Infrastruktur nachfolge: „Es liegt auf der Hand, dass diese Entwicklung das Ministerium, ausnahmslos alle Organisationsbereiche und natürlich den Bereich IUD unmittelbar fordert. Es müssen nicht zuletzt die infrastrukturellen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit unsere Soldatinnen und Soldaten ihren Aufgaben bestmöglich gerecht werden können.“ Er ließ keinen Zweifel daran, dass die Übungsstadt diese Vorgabe im Bereich der Ausbildung der Soldaten voll erfüllen werde.

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Bundeswehr wichtiger Auftraggeber für die Wirtschaft

Männliche Person hinter Rednerpult.
Staatssekretär Richter hob unter anderem die besondere Bedeutung des Bauprojekts für die Region hervor (Quelle: Bundeswehr/Marcus Rott)Größere Abbildung anzeigen

Der Staatssekretär im Ministerium der Finanzen Sachsen-Anhalt, Michael Richter, erläuterte, dass die kleinteilige Ausschreibung und Vergabe der einzelnen Gewerke es ermöglicht habe, den regionalen Baubetrieben die Chance auf eine Auftragserteilung zu geben: „Über 70 Prozent der Bauleistungen sind damit an Firmen aus der Region erteilt worden.“ Er konstatierte: „Mit diesem Projekt wird einmal mehr deutlich wird, wie wichtig die Bundeswehr als Auftraggeber für die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt ist.

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Militärische Bewertung

Männliche Person in Uniform hinter Rednerpult.
Sehr zufrieden mit einem wichtigen Instrument zur Ausbildung seiner Soldaten: General Leidenberger (Quelle: Bundeswehr/Marcus Rott)Größere Abbildung anzeigen

Generalleutnant Frank Leidenberger, Kommandeur Deutsche Anteile Multinationale Korps, Militärische Grundorganisation beim Kommando Heer in Strausberg, hob die militärische Bedeutung des ehrgeizigen Projektes hervor: „Die Einsätze der Vergangenheit haben uns gelehrt, dass das Umfeld, in dem wir gegebenenfalls kämpfen müssen, nicht mehr die freie Fläche ist, sondern der urbane Raum. So ist es nur logisch und konsequent, dass, wenn wir unsere Soldaten im Auftrag des Parlaments in den Einsatz schicken, wir ihnen die entsprechenden realistischen Ausbildungsmöglichkeiten geben. Dafür ist Schnöggersburg ein Leuchtturm-Projekt.

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Zufriedenheit bei „Bauherrin“ und militärischem Nutzer

Mehrere Personen in zivil und in Uniform auf einem Platz, im Hintergrund ein Mikrofon eines Fernsehsenders.
Rundgang mit Presse: die Abteilungsleiterin und die Staatssekretäre besichtigen den übergebenen Teil von Schnöggersburg (Quelle: Bundeswehr/Marcus Rott)Größere Abbildung anzeigen

Auch die Abteilungsleiterin IUD, Ministerialdirektorin Alice Greyer-Wieninger, mit ihrer Abteilung im Bundesministerium der Verteidigung und dem nachgeordneten Organisationsbereich IUD verantwortlich für die Infrastruktur der Bundeswehr im Inland, Ausland und im Einsatz, zeigte sich sehr zufrieden: „Diese ganze Fläche ist beeindruckend. Es ist sehr realitätsbezogen, ich glaube, dass unsere Soldatinnen und Soldaten hier wirklich hervorragende Übungsmöglichkeiten vorfinden werden. Wir sind im Zeit- und Kostenplan. Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten war hervorragend. Wir haben gute und enge Beziehungen zum Land Sachsen-Anhalt und investieren allein hier jährlich zwischen 50 und 60 Millionen Euro für die Infrastruktur der Bundeswehr.

Blick auf Altstadtbauten.
Die verwinkelte Altstadt mit insgesamt über 180 Gebäuden (Quelle: Bundeswehr/Marcus Rott)Größere Abbildung anzeigen

Und der militärische Nutzer? Oberst Uwe Becker, Leiter des Gefechtsübungszentrums des Heeres, der zentralen Einrichtung des Heeres für einsatzvorbereitende Ausbildung, die die fertig gestellten Teile der Übungsstadt übernehmen wird, ist nach „Jahren der Wartezeit“ schon einen Schritt weiter: „Wir sind sehr zufrieden mit dem Fortgang auf dieser anspruchsvollen Baustelle, und dass wir einen großen Teil heute – pünktlich wie vor Jahren geplant – übernehmen können. Wir betreten hier natürlich Neuland in vielen Bereichen. Wir werden 2018 schrittweise mit den ersten Übungen beginnen und uns an diese neue Materie herantasten. Es ist eine große Herausforderung, aber auch ein Meilenstein in der Ausbildung unserer Soldatinnen und Soldaten.

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Der (symbolische) Schlüssel zur Stadt

Drei männliche Personen, eine davon in Uniform durchtrennen mit Scheren ein schwarz-rot-goldenes Band.
Die Staatssekretäre und der General durchtrennen das symbolische Band auf der Brücke über die Eiser (Quelle: Bundeswehr/Marcus Rott)Größere Abbildung anzeigen

Nachdem auf einer Brücke über den künstlichen Flusslauf „Eiser“, der den übergebenen Teil Schnöggersburgs von dem noch zu errichtenden trennt, ein Band durchschnitten wurde und Militärpfarrer Andreas Kölling vom Evangelischen Militärpfarramt Burg einen Segen gesprochen hatte, wurde die Übergabe mit einer symbolischen Weiterreichung perfekt gemacht. Der übergroße „Schlüssel zu Schnöggersburg“ wanderte hierbei von der Landesbauverwaltung über das BAIUDBw als Bauherrn an das Bundeswehr-Dienstleistungzentrum Burg als Betreiber der Anlage, bevor ihn schließlich Oberst Becker für sein Gefechtsübungszentrum des Heeres als militärischer Nutzer in Empfang nahm. Die Übungen können beginnen. Schnöggersburg wird zumindest teilweise und temporär nicht länger „Geisterstadt mit Baustelle“ sein.

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Stand vom: 29.11.17 | Autor: Carsten Koslowski


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